HUB-Pitch 2026: Kreative Köpfe erhalten mehr als 550.000 Euro Forschungsbudget bei der fünften Runde des Ilmenauer Ideenwettbewerbs

Ilmenau, 13. Februar 2026 – Am gestrigen Donnerstag, den 12. Februar 2026, fand im Parkcafé Ilmenau die fünfte Runde des iHUB-Pitch Ideenwettbewerbs statt. iHUB steht für InSignA Innovation Hub und prämiert seit 2022 neue Forschungsideen in den Bereichen Sensorik, Digitalisierung, Signalanalyse und Assistenzsysteme. In diesem Jahr wurden über 550.000 Euro zweckgebundene Forschungsbudgets an insgesamt fünf Teams vergeben. Rund 65 Gäste verfolgten die Präsentationen und eine Jury mit Vertreterinnen und Vertretern aus Forschung, Wirtschaft sowie Landesgesellschaften und Investoren bewertete die zwölf vorgestellten Ideen.

Eröffnung durch die Gastgeber

Eröffnet wurde der Ideenwettbewerb von der Moderatorin Linda Gernitz und dem Sprecher des Thüringer Leistungszentrums InSignA – Intelligente Signalanalyse- und Assistenzsysteme, Professor Joachim Bös. Das Leistungszentrum InSignA ist Initiator und Organisator des jährlichen iHUB-Pitch Ideenwettbewerbs und steht den prämierten Teams anschließend als Forschungspartner zur Seite.

Erneut Rekordzahl an Ideeneinreichungen

Joachim Bös freute sich über die hohe Anzahl an Bewerbungen: »Auch in diesem Jahr wurde die Zahl an übersendeten Ideen erneut getoppt. Es hat sich als erfolgreiches Format etabliert, sogar über die Thüringer Landesgrenzen hinaus. Waren es im vergangenen Jahr schon beachtliche 19 Einreichungen, konnten wir in diesem Jahr sogar 22 Bewerbungen verzeichnen. Schon bei der ersten Sichtung hatten wir die Qual der Wahl, welche Teams sich vor unserer Jury präsentieren durften. Ich bin froh, nicht selbst Teil der Jury zu sein, denn die Entscheidung fällt in diesem Jahr besonders schwer. Die eingereichten Themen waren durchweg auf einem beeindruckend hohen Niveau.«

Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum stellt Forschungsbudget für die besten Ideen

Referatsleiter Dr. Sebastian Stark vom Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum betonte in seinem Grußwort: »Mich beeindruckt die technologische Substanz vieler Ideen, die wir heute gesehen haben. Mit dem Forschungsbudget von über 550.000 Euro wird die Möglichkeit geschaffen, diese Ansätze gemeinsam mit den Forschungspartnern in Ilmenau weiter zu schärfen und ihre Machbarkeit zu prüfen. Erst wenn eine Idee technisch belastbar ist, entsteht daraus eine tragfähige Grundlage für ein innovatives und erfolgreiches Startup.«

Kurze Pitches für starke Ideen

Die Vorgabe für alle Teams war sportlich: Nicht mehr als fünf Minuten standen ihnen jeweils zur Verfügung, um die Jury von ihrer Idee zu begeistern und sich für eine Forschungsförderung zu qualifizieren. Die vorgestellten Projektideen waren in diesem Jahr besonders facettenreich und reichten von KI-gestützten Echtzeit-Übersetzungen von Text und Sprache in die deutsche Gebärdensprache über intelligente, hyperlokale Hochwasserfrühwarnsysteme bis hin zu veränderbaren Akustiksystemen für Fahrzeuginnenräume.

Auswahl der Siegerideen

Nachdem alle zwölf Teams ihre Ideen vorgestellt hatten, begann der schwierige Teil für die Jury – die Auswahl der Siegerideen. Während sich die Jury-Mitglieder für die Entscheidungsfindung zurückzogen, nutzten die übrigen Gäste und Pitch-Teilnehmenden die Gelegenheit, sich über die präsentierten Ideen auszutauschen und erste mögliche Umsetzungen zu diskutieren.

Bekanntgabe der Gewinner

Die Ergebnisse der Jurysitzung wurden von allen Teams und Gästen mit Spannung erwartet und nach einer Stunde war es dann endlich soweit: die Siegerideen wurden verkündet!

Die folgenden fünf Teams können sich nun auf eine kostenlose Forschungsunterstützung von bis zu sechs Monaten durch die wissenschaftlichen Mitglieder des Leistungszentrums InSignA freuen. Zudem erhielt Jakob Becker von der Komfortscape GmbH aus Berlin für seine Idee zur »Entwicklung einer Algorithmik zur Identifikation von Kaltluftströmungen in bestehenden Simulationsdaten« eine lobende Erwähnung und wurde durch die Jury ermutigt, auf die Mitglieder des Leistungszentrum InSignA zuzugehen und die Idee auch abseits der Förderung durch den iHUB mit Ihnen zu verfolgen.

Die Siegerideen

1. Johannes Leineweber, Juan Sebastian Fischer Calderón, Gründungsteam »Liquid Mirror« Technische Universität Ilmenau: »Entwicklung einer kosteneffizienten metrologischen Überwachung großformatiger deformierbarer Nanopräzisionssubstrate mittels MEMS-Multiplexing von Range Resolved Interferometern«

Liquid Mirror ist ein Gründungsprojekt der TU Ilmenau. Die beiden Doktoranden wollen besonders große und hochpräzise Optiken und Spiegel entwickeln, die in Zukunft in High-Tech-Bereichen wie Raumfahrt, Halbleiterfertigung, laserbasierter Kernfusion oder Präzisionsmesstechnik eingesetzt werden können. Dort und speziell beim Anwendungsfall Kernfusion ist es entscheidend, Licht und Laserstrahlen extrem genau zu steuern. Damit solche großformatigen Optiken zuverlässig funktionieren, muss ihre Oberflächenform kontinuierlich überwacht werden – durch Interferometer, also Messgeräte, die mithilfe von Laserlicht selbst kleinste Abweichungen im Nanometerbereich erkennen können. Bisher benötigt man dafür viele einzelne Sensoren, was bei großen Flächen sehr kostenintensiv ist. Die Projektidee setzt deshalb auf MEMS-basiertes Multiplexing, also ein technisches Verfahren, bei dem ein einziges Interferometer abwechselnd mehrere Messpunkte ansteuern kann, statt für jeden Punkt ein eigenes Gerät zu benötigen. Im Rahmen des Projekts wird jetzt mit dem Forschungspartner IMMS GmbH eine Reduktion der Sensorkosten um mindestens 75 Prozent bei gleichzeitiger Beibehaltung der nanometergenauen Auflösung angestrebt. Dadurch sinken die Kosten enorm, ohne an Präzision einzusparen.

2. Sven Fießer, Daniel Martschoke, HyCPower GmbH, Luisenthal: »Innovative Hochtemperatur-Membranseparation aus Biogas/Biomethan-Pyrolyse zur effizienten Wasserstofferzeugung«

Das junge Unternehmen HyCPower entwickelt ein innovatives Wasserstoffspeicherkraftwerk, das Methan oder Biogas durch Plasmapyrolyse in Wasserstoff und festen Kohlenstoff, sogenanntes Carbon-Black, aufspaltet – beim Einsatz von Biogas sogar CO₂-negativ. Wasserstoff ist ein vielseitiger, sauberer Energieträger, aber aktuell ist die Gewinnung noch sehr energieintensiv. Die Projektidee setzt deshalb auf hochtemperaturfeste keramische Membranen, die selektiv Wasserstoff abscheiden und dabei Temperaturen von über 500 Grad aushalten. Dadurch kann der Prozess deutlich effizienter gestaltet werden, da die bisher zur Abtrennung von Wasserstoff und Kohlenstoff notwendige und energieintensive Zwischenkühlung entfällt. Im Rahmen des Projekts wollen Fießer und Martschoke gemeinsam mit dem Fraunhofer IKTS untersuchen, ob diese Membranen technisch machbar sind, die gewünschten Trenneigenschaften liefern und wirtschaftlich in die Plasmapyrolyse-Anlage integriert werden können. Gelingt dies, stellt das einen entscheidenden Schritt für eine kostengünstige und klimafreundliche Wasserstoffproduktion aus Biogas dar.

3. Marcus Obst, Cucumber Company GmbH, Chemnitz: »Skalierbares Funk-Audio-Assistenzsystem für Silent-Proben und Silent-Live-Formate«

Das Team der Cucumber Company GmbH entwickelt ein Funk-Audio-Assistenzsystem für sogenannte Silent-Musikband-Proben und Silent-Livekonzert-Formate. Das erlaubt es Musikern, unabhängig von Tageszeit und Umfeld zu proben, ohne dass sie jemanden stören. Dabei hören sich die Künstler über Kopfhörer und nicht über Verstärker und Lautsprecher. Jetzt ist es das Ziel, auch Silent-Live-Konzerte zu spielen und Gesang und Instrumente über eine Distanz von bis zu 100 Metern an bis zu 100 Teilnehmende zu übertragen. So können Konzerte auch an solchen Orten in Städten und Kommunen stattfinden, wo es sonst aufgrund der Lärmbelastung nicht möglich wäre. Dafür müssen die hochwertigen Audiosignale drahtlos, besonders verzögerungsarm und stabil an die Teilnehmenden übertragen werden. Das System soll eine Latenz von unter 5 Millisekunden erreichen, den gesamten hörbaren Frequenzbereich abdecken sowie eine stabile Signalübertragung und eine hohe Audioqualität bei hoher Gerätedichte gewährleisten. Gemeinsam mit dem Fraunhofer IDMT und dem Fraunhofer IIS sowie dem Fachgebiet Funktechnologien für automatisierte und vernetzte Fahrzeuge der TU Ilmenau soll jetzt ein Proof of Concept entstehen und es sollen Empfehlungen für Skalierbarkeit, Kosten und Einsatz in Proberäumen oder Events formuliert werden.

4. Marc de Laporte, Benjamin Kutschan, Kites for Future Flugwindkraftanlagen GmbH, Jena: »Zuverlässiges Funkkommunikationsinterface für die Kite-Bodenstation-Kommunikation von Flugwindkraftanlagen«

Das junge Unternehmer-Duo aus Jena entwickelt Flugwindkraftanlagen – das sind fliegende Windgeneratoren, die in großer Höhe den Wind nutzen, um Strom zu erzeugen. Im Gegensatz zu klassischen Windrädern können sie mobil dort eingesetzt werden, wo Strom benötigt wird. Die Flugwindanlagen, die an einen Drachen erinnern, sind schnell aufgebaut und können für unterschiedliche Energiebedarfe konfiguriert werden. So kann eine Flugwindkraftanlage mit einer Spannweite von 3 Metern beispielsweise ein kleines Haus vollständig autonom mit Strom versorgen, eine Anlage mit 6 Metern Spannweite bereits einen mittelgroßen Bauernhof. Deswegen sind die mobilen »Windenergie-Drachen« auch für Regionen mit schlechter Energieversorgungsinfrastruktur geeignet. Der Drachen tauscht dauerhaft Informationen mit der Bodenstation aus, weshalb eine stabile Funkverbindung zwischen diesen besonders wichtig ist. Diese Datenverbindung ist momentan noch eine zentrale Herausforderung für die jungen Unternehmer.

Ziel des Projekts ist daher die Entwicklung eines zuverlässigen, latenzarmen Funkinterfaces über Distanzen von bis zu 1000 Metern, das bei allen Wetterbedingungen funktioniert. Gemeinsam mit den Experten des Fraunhofer IIS, des IMMS, des IKTS und des IDMT sollen jetzt Feldtests für stabile Funkverbindungen zwischen Bodenstation und Flugobjekt durchgeführt werden und ein passendes Funkinterface entwickelt werden.

5. Eleftherios Avramidis, Alangu GmbH, Köln: »Erweitertes Toolkit für die Übersetzung von gesprochenen und schriftlichen Inhalten in die deutsche Gebärdensprache«

Eleftherios Avramidis entwickelt mit seinem Team eine digitale Lösung, die gehörlosen Menschen den Zugang zu Texten und Sprache in digitalen Anwendungen erleichtert. Gehörlose Menschen haben oftmals Probleme mit dem Erfassen schriftlicher Informationen. Die Alangu GmbH überführt deswegen Texte von Websiten, Online-Shops oder öffentlichen Verwaltungsseiten mithilfe digitaler Avatare in Gebärdensprache. Dazu werden Bewegungsdaten von Gebärdensprach-Expertinnen und Experten erfasst und von einem animierten Avatar in Gebärdensprache übersetzt. Die Erfassung dieser  Bewegungsdaten ist für die Entwicklung des Systems notwendig. Besonders die feinen Bewegungen von Gesicht und Mund sind derzeit jedoch noch sehr aufwendig zu erfassen. Ziel des Projekts ist es deswegen, diesen Prozess mithilfe von KI zu automatisieren und Gebärden, Gesichts- und Mundbewegungen automatisch zu erkennen und zu annotieren. So soll eine echtzeitfähige Übersetzung von Freitext in Gebärdensprache geschafft werden. Bei der Umsetzung erhält das Team jetzt Forschungsunterstützung vom Fachgebiet Qualitätssicherung und Industrielle Bildverarbeitung der TU Ilmenau und dem Fraunhofer IDMT.

Förderung von Gründungsteams und Start-ups

Das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum fördert den Ilmenauer iHUB-Pitch Ideenwettbewerb als Teil der Thüringer Innovation Hubs. Ziel ist es, Gründungsteams, Start-ups und Forschende aus Thüringen und ganz Deutschland bei der Umsetzung ihrer Ideen in den Bereichen Sensorik, Signalanalyse, Digitalisierung und Assistenzsysteme zu unterstützen. Die Unterstützung erfolgt in Form finanzierter Forschungsarbeiten, die durch die Mitglieder des Leistungszentrum InSignA erbracht werden, sowie der Koordination der Thüringer Innovation Hubs.

Über das Leistungszentrum InSignA

Zu den Mitgliedern des Leistungszentrum InSignA gehören das Fraunhofer IDMT, das Fraunhofer IOSB-AST, die Forschergruppe SigMaSense des Fraunhofer IZFP, das Batterie-Innovations- und Technologie-Center BITC des Fraunhofer IKTS sowie die Abteilung Elektronische Messtechnik und Signalverarbeitung des Fraunhofer IIS. Zudem sind sieben Fachgebiete der TU Ilmenau und das IMMS Institut für Mikroelektronik- und Mechatronik-Systeme gemeinnützige GmbH (IMMS GmbH) Mitglieder im Leistungszentrum.

Den Pitch-Gewinnerteams stehen durch die Forschungspartnerschaften umfassende Hightech-Ressourcen und themenspezifisches Fachwissen für Machbarkeitstests, Prototypenentwicklung und Demonstratorenbau zur Verfügung. Das Ziel ist es, die Ideen schneller aus der Ideenphase herauszuholen und erste Schritte in Richtung Produktentwicklung zu gehen.